Interviewreihe: Vorurteilsfrei gefragt
In dieser Interviewreihe befragen wir im psychosozialen, psychotherapeutischen und psychiatrischen
Bereich tätige Personen aus der Versorgung, Forschung & Lehre und Politik zu ihren Erfahrungen in
Bezug auf Ressourcen und Herausforderungen in ihrer Tätigkeit.
Die Interviews werden u.a auf der Homepage des Vorurteilsfrei e.V. veröffentlicht und sollen der
Leserschaft einen tieferen Einblick in verschiedene Bereiche des komplexen psychosozialen
Hilfssystems bieten.
In die Welt, statt in die Werkstatt – Christian Tschierske über seine Kunst und über die der Selbstbehauptung
In Deutschland ein Fall für die "Behindertenwerkstatt", im Ausland als Künstler das blühende Leben.
Christian Tschierske berichtet von der Kunst als seinen Ausweg aus einen vorgezeichneten und festgefahrenen Weg in einem Hilfesystem, welches oftmals keine Antworten für individuelle Fragen der Lebensführung findet. Statt als "schwieriger Fall" betrachtet und verwaltet zu werden, findet er für sich einen Ausweg in die Kunst und über die Landesgrenzen hinaus.
In Florenz oder Paris spielt seine Krankenakte keine Rolle. Dort ist er der „Deutsche mit den farbenfrohen Bildern“, ein geschätzter Kollege, dessen exzentrische Perspektive als Bereicherung, nicht als Störung wahrgenommen wird. Diese Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Respekt wirkt stärker als jede Therapiestunde. Im Interview beschreibt Tschierske eindrücklich, wie sehr der Kontext über das eigene Erleben entscheidet. Er kritisiert eine „Hilfekultur“, die oft mehr mit ökonomischen Zwängen und Sicherheitsdenken beschäftigt ist als mit dem Menschen selbst. Seine Geschichte ist ein Plädoyer für einen radikalen Perspektivwechsel: Weg von der Fixierung auf Symptome, hin zu einem ressourcenorientierten Blick, der Talente fördert und – wie er es nennt – den nötigen „Rückenwind“ gibt. Denn manchmal braucht es nur einen anderen Rahmen, damit aus einem „schwierigen Fall“ ein visionärer Künstler wird.
Lesen Sie hier das vollständige Interview: ...